Factoring

Alles, was Sie wissen müssen

Was ist Factoring?

Factoring in der Liquiditätsplanung

Die Liquiditätsplanung spielt im Rahmen der Unternehmensplanung stets eine zentrale Rolle. Aus diesem Grund beeinflussen zahlreiche Unternehmen ihre eigene Liquidität, indem sie ausstehende Rechnungen nutzen und mit hilfe von Factoring für zusätzlichen Cashflow sorgen. Diese Form des Liquiditätsmanagements zeichnet sich vorrangig dadurch aus, dass Firmen ihre offenen Forderungen aus Dienstleistungen sowie Produktlieferungen an seinen Debitoren an ein sogenanntes Factor-Unternehmen verkaufen. In der Regel wird dabei eine langfristige Kooperation angestrebt.

Diagram explaining factoring

Für wen ist Factoring geeignet?

Factoring sorgt für eine permanente Erhöhung der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Es eignet sich dadurch insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen und stellt eine besonders flexible Finanzierungsmöglichkeit im Liquiditätsmanagement dar. Obwohl Factor-Unternehmen häufig ebenfalls über die Kompetenzen eines Inkassounternehmens verfügen, ist das Factoring nicht als Inkassoleistung zu verstehen.

Wann wird Factoring angewendet?

Das Factoring wird hauptsächlich zur Verbesserung des Cashflows innerhalb eines Unternehmens eingesetzt. Diese Vorgehensweise stellt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen eine enorme Erleichterung dar. Häufig verfügen diese Unternehmen prinzipiell über einen ausreichenden Umsatz, geraten aber dennoch manchmal in Zahlungsschwierigkeiten. Das kommt vorrangig dadurch zustande, dass ein Unternehmen auch bei berechtigten Forderungen gegen einen liquiden Kunden teilweise länger als 30 Tage auf die Begleichung der Forderung warten muss.

Diese enorme Wartezeit wirkt sich bereits in vielen Fällen negativ auf die Zahlungsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen aus. Kommt schliesslich ebenfalls eine mangelnde Zahlungsmoral bei einigen Kunden, eine überraschende Senkung der Kreditlinien oder ein Anstieg der Betriebskosten hinzu, kann das eigene Liquiditätsmanagement eines Unternehmens in Krisenzeiten durchaus versagen. Aus diesem Grund werden häufig alternative Finanzierungsmöglichkeiten eingesetzt, um kurzfristig für eine höhere Liquidität im eigenen Unternehmen zu sorgen. Auf diese Weise wird das Liquiditätsmanagement verbessert sowie die eigene Zahlungsfähigkeit wiederhergestellt.

Grundeigenschaften des Factoring

Das Factoring zeichnet sich dabei vorrangig durch die folgenden drei Grundeigenschaften aus:

  • Das Factoring beschreibt grundsätzlich den Verkauf von offenen Forderungen an ein Factor-Unternehmen. Dabei wird in der Regel ein langfristiger Vertrag geschlossen, der das Ausfallrisiko sämtlicher offenen Forderungen auf den Factor überträgt. Aus diesem Grund stellt das Factoring meist eine langfristige Kooperation dar.
  • Dabei eliminiert die Vorfinanzierung sämtlicher Forderungen stets die Wartezeit zwischen Rechnungsstellung und Zahlungseingang. Direkt nach der Rechnungsstellung leistet der Factor eine Sofortzahlung an den Verkäufer. Diese entspricht in der Regel zwischen 80 und 90 Prozent der vorfinanzierten Rechnung. Der Restbetrag wird erst dann überwiesen, wenn der Kunde seiner Zahlungspflicht nachgegangen ist.
  • Letztlich zeichnet sich das Factoring ebenfalls dadurch aus, dass der Factor für das verkaufende Unternehmen sämtliche Angelegenheiten des Debitorenmanagements übernimmt. Dazu gehören neben der Debitorenbuchhaltung ebenfalls das Mahnwesen sowie die Prüfung der Kundenbonität. Weiterhin fallen ebenfalls sämtliche Inkassoangelegenheiten in diesen Bereich. Auf diese Weise wird dem verkaufenden Unternehmen langfristig das gesamte Mahnwesen abgenommen.

Die unterschiedlichen Formen des Factorings

Echtes und unechtes Factoring
In der Praxis unterscheidet man zwischen echtem und unechtem Factoring. Bei unechtem Factoring erfolgt im Gegensatz zu echtem Factoring keine Übernahme des Zahlungsausfallrisikos. Das bedeutet, dass die ausbezahlte Summe vollständig zurückerstattet werden muss, wenn die Forderung nicht durch den Kunden beglichen wird.
Full Service Factoring
Dieses klassische Factoring nutzen KMU vorwiegend: Finanzierung und Ausfallschutz sowie komplettes Debitorenmanagement entlasten den Kreditor vollständig.
Fälligkeitsfactoring
Weiterhin wird teilweise ebenfalls ein sogenanntes Fälligkeitsfactoring angeboten. Dabei übernimmt der Factor lediglich die Inkassoangelegenheiten. Darüber hinaus wird bei dieser Form des Factorings der fällige Betrag erst nach der Zahlung des Kunden zur Verfügung gestellt. Dadurch entfällt die Finanzierungsfunktion vollständig.
Inhouse-Factoring
Letztlich gibt es ebenfalls das sogenannte Inhouse-Factoring. Dabei verbleibt das Mahnwesen vollständig im verkaufenden Unternehmen. Der Factor bleibt in diesem Fall absolut diskret. Der Factor schreitet erst dann ein, wenn die dritte Mahnung erfolglos verlief. Dabei geniesst das verkaufende Unternehmen jedoch jederzeit vollständigen Delkredereschutz.
Offenes Factoring
Der Kreditor informiert den Debitor über das Factoring von dessen Schuld. Dies Wissen ermöglicht Debitoren effizientes Handeln zur Forderung gegen sie. Speziell lassen sich Schulden im offenen Factoring nur per Zahlung an den Factor senken.
Stilles Factoring
Der Kreditor informiert den Debitor nicht über das Factoring von dessen Schuld. So reagieren sensible Kunden nicht pikiert über das Einschalten des Factors – immerhin verbindet sich mit Factoring das belastete Wort “Inkasso”.

Welche Vor- und Nachteile entstehen für ein Unternehmen durch Factoring?

Vorteile des Factoring

Die durch Factoring gewonnene, erhöhte Liquidität verbessert:

die Eigenkapitalquote.
Im selben Atemzug verbessert sich die Bilanz und die lang- sowie mittelfristige Bonität. Auch bei einem geplanten Kreditantrag schneiden kleine und mittlere Unternehmen mit Factoringkooperationen daher besser ab.
den Schutz vor Forderungsausfall.
Falls fällige Forderungen durch Zahlungsausfall auf Seiten des Kunden nicht beizutreiben sind, liegt der Verlust dank des Delkredere beim Factor-Unternehmen. Das forderungsverkaufende Unternehmen profitiert nach Szenarien wie der Kundeninsolvenz so von einem Schutz vor finanziellen Verlusten.
die Fixkosten.
Mahnwesen und Debitorenbuchhaltung erfordern Personal. Der entstehende Zeitaufwand und die im Debitorenmanagement verbrauchten Ressourcen lassen Fixkosten entstehen. Beim Factoring wird das gesamte Mahnwesen in den Zuständigkeitsbereich des Factor-Unternehmen verschoben, was dem verkaufenden Factornehmer auf lange Sicht Personalaufwand, Zeitaufwand, Ressourcen und damit auch Fixkosten einspart.
das Unternehmenswachstum.
Der Einsatz eines Factor-Unternehmens überbrückt nicht nur Finanzprobleme, sondern wird mittlerweile vor allem zu Wachstumszwecken eingesetzt. Factoring bedeutet eine relativ risikolose Möglichkeit zur Investition ins eigene Unternehmenswachstum.

Nachteile des Factoring

Das Factoring bietet zahlreichen Unternehmen attraktive Vorteile, ist jedoch ebenfalls mit einigen Nachteilen verbunden:

  • So nimmt der Factor im Falle des Zahlungsverzugs eines Kunden selbst Kontakt mit diesem auf, sodass dieser von der Veräusserung seiner Verbindlichkeit erfährt. Dies kann unter Umständen die Kundenbeziehung negativ beeinflussen.
  • Factoring ist nicht immer für alle Branchen geeignet. Bei einigen Branchen übernimmt das Factor-Unternehmen die Aussenstände nicht.

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